Gut Varrel
Reizvoll und direkt am Ufer der Varreler Bäke gelegen, lohnt das Anwesen jederzeit einen Abstecher. Auch etwas Zeit für einen ausgedehnten Spaziergang entlang der malerischen Varreler Bäke sollten Sie unbedingt mitbringen!
Bewegte GeschichteKein geringerer als Graf Otto IV. von Oldenburg zu Delmenhorst erteilte im Jahre 1381 dem nahegelegenen Kloster Heiligenrode die Erlaubnis, sich „in der Einöde, genannt Stelle und Verlebrinc (Varrelerbrink) und in den angrenzenden Brüchen und Büschen“ niederzulassen. Das daraufhin erbaute Gut blieb 200 Jahre lang in klösterlichem Besitz bis sich Graf Anton II. von Oldenburg und Delmenhorst 1581 des Gutes als „Vorwerk Varrel“ bemächtigte, indem er das Klostergut säkularisierte, d.h. ohne Entschädigung enteignete. Im Jahr 1655 gelangte das Gut Varrel dann „wegen der dem Hause Oldenburg erwiesenen großen Treue und Dienste“ erstmalig in bürgerlichen Besitz – der Kupferschmiedemeister Berndt Pundt wurde der neue Eigentümer. Nach etlichen Besitzerwechseln gehört das Anwesen seit 1976 der Gemeinde Stuhr.
Das GutshausAls eines der ältesten erhaltenen Bauwerke in Varrel war das Gutshaus im Laufe seiner Geschichte wiederholten Umbaumaßnahmen ausgesetzt. Bis heute lässt es eine Mischung aus herrschaftlichem Repräsentationsbedürfnis und berufsgebundener Notwendigkeit erkennen: So befindet sich im Südwesten ein ansehnlicher Hallenraum, im Ostflügel waren die Räumlichkeiten der Familie, im vorderen Teil dagegen eine Küche und ein Erkerzimmer untergebracht. Unterhalb des hohen Daches wurden Heu und Stroh gelagert. Heute werden in dem prächtigen Fachwerkhaus nicht nur wechselnde Ausstellungen und Kulturveranstaltungen, sondern auf Wunsch auch gerne Trauungen durchgeführt.
Mühle, Scheune und Co.Im Jahr 1606 wurde auf dem Gut Varrel unter der Ägide der Grafen von Oldenburg eine Wassermühle errichtet. Sie hat eine wechselvolle Geschichte: Zunächst als Kupfermühle geplant, wurde sie mangels Kupfererzvorkommen bald als Walkmühle für Lodentuch genutzt. Dann diente sie als Lohmühle, bevor sie schließlich Ende des 18. Jh. zur Kornmühle umgebaut wurde. Leider fiel das ursprüngliche Gebäude im Jahr 1903 einem verheerenden Brand zum Opfer. In der 1904 an gleicher Stelle neu erbauten Mühle wurde noch bis 1986 Schrot gemahlen. Die alte Mühlentechnik existiert noch heute, das malerische Gebäude wird jetzt als Vereinsheim genutzt.
Die 1903 errichtete Gutsscheune umfasst eine Fläche von rund 620 qm und weist in ihrem Inneren ein beeindruckendes und aufwändig restauriertes Balkenwerk auf. Heute ist das Gebäude ein sehr beliebter Treffpunkt, nicht zuletzt für zahlreiche Kultur- und Sportvereine aus Stuhr und Umgebung.
Gebäude auf WanderschaftAnders als das Gutshaus und die Mühle gehörte die hübsche Fachwerkscheune, die – zumindest in Teilen – 300 Jahre alt ist, nicht von Anfang an zum Gut Varrel. Sie stand zunächst in Bookholzberg. Erst 1985 wurde sie in Einzelteilen nach Varrel gebracht und dort neu errichtet, um das Gebäudeensemble zu vervollständigen. Auch das kleine Backhaus mit seinem bezaubernden Fachwerk fand erst spät seinen Weg zum Gut Varrel. Es war 1832 in der Nähe von Harpstedt erbaut worden und mehr als 150 Jahre dort beheimatet. Im Jahr 1988 wurde es jedoch vom „Förderverein Gut Varrel“ fachgerecht in seine Einzelteile zerlegt und nach Varrel verbracht. Seit 2004 ist es nun wieder als Backhaus in Betrieb und bereichert das Gut Varrel nicht nur um eine weitere wunderschöne Fachwerkfassade, sondern jeden letzten Samstag im Monat auch um frisch gebackenes Brot und handgemachten Kuchen. Wenn das keinen Ausflug lohnt!
