Gewässer
Morgenstimmung an der Hunte bei Huntlosen mit sonnigem Himmel, leichtem Nebel über dem Wasser und Wiesenlandschaft mit einzelnen Bäumen.© Hans-Jürgen Zietz

Der Naturpark Wildeshauser Geest ist von einer Vielzahl kleiner bis mittlerer Fließgewässer durchzogen, die die Landschaft maßgeblich prägen. Der größte Fluss des Naturparks ist die Hunte. Zu ihren wichtigsten Nebenflüssen zählt die Lethe. Daneben durchziehen auch Delme und Hache den Naturpark. Ergänzt wird das Gewässernetz durch kleinere Bäche wie den Dünsener Bach und den Klosterbach. Die meisten dieser Gewässer sind Zuflüsse der Hunte oder der Ochtum, die selbst jedoch außerhalb des Naturparks verläuft.

Die Hunte entspringt im Wiehengebirge und durchfließt den Naturpark von Süden nach Norden. Dabei gliedert sie die Geest in charakteristische Flusstäler und schafft vielfältige Lebensräume. Ihre naturnahen Uferbereiche mit Auen, Altarmen und feuchten Wiesen bilden wertvolle Biotope und bieten zahlreichen Tierarten, insbesondere Brutvögeln, ideale Bedingungen. Gleichzeitig eröffnet der Fluss zahlreiche Möglichkeiten für Naturerlebnisse – vom Wandern und Radfahren entlang der Ufer bis zum Paddeln mit Kanu oder Kajak.

Größere natürliche Stillgewässer sind im Naturpark selten; eine Ausnahme bildet das Sager Meer. Stattdessen prägen vor allem vom Menschen geschaffene Gewässer das Bild. Dazu zählen die Ahlhorner Fischteiche als bedeutendes Beispiel für historische Fischzuchtanlagen. Hinzu kommen Seen, die durch Sandabbau entstanden sind und heute teilweise als Badegewässer genutzt werden können, wie etwa der Badesee Westrittrum. Auch Mühlenteiche, die einst für den Betrieb von Wassermühlen angelegt wurden, sind vielerorts erhalten geblieben.

Eine Besonderheit des Naturparks sind die zahlreichen kleinen Stillgewässer, die sogenannten Schlatts. Sie entstanden während der letzten Eiszeit als Ausblasungsmulden und sind typisch für die nährstoffarmen Geestrücken des Norddeutschen Tieflands. Durch eine natürliche Abdichtung mit feinem Lehm speichern sie Regenwasser in der ansonsten eher trockenen Landschaft. Ein Beispiel hierfür ist das Friedeholzer Schlatt. Heute stehen diese Gewässer unter Naturschutz, da sie ökologisch besonders wertvoll sind: Sie bieten spezialisierten Tier- und Pflanzenarten – insbesondere Amphibien, Insekten und Vögeln – einen wichtigen Lebensraum und tragen wesentlich zur biologischen Vielfalt des Naturparks bei.

Ein Biber sitzt im flachen Wasser nahe dem Ufer und hält mit den Vorderpfoten Pflanzenteile, während er frisst.© Farina Grassmann
Angenagte Bäume am Ufer verraten: Hier sind Biber zuhause.

Der Biber

Nachdem der Biber über lange Zeit in der Region und in weiten Teilen Europas ausgerottet war, ist er heute wieder an vielen Fließgewässern heimisch. Der Biber ist das größte Nagetier Europas. Er besitzt kräftige Schneidezähne, einen robusten Körperbau und einen charakteristischen breiten, flachen Schwanz, die sogenannte Kelle. Als semiaquatisches Säugetier lebt er sowohl an Land als auch im Wasser. Besonders wohl fühlt er sich an stehenden oder langsam fließenden Gewässern wie Bächen, Flüssen und Teichen. Oft wird der Biber als „Baumeister der Natur“ bezeichnet. Mit seinen starken Schneidezähnen kann er selbst größere Bäume fällen und daraus Burgen sowie Staudämme errichten. Auf diese Weise gestaltet er seinen Lebensraum aktiv und schafft wertvolle Feuchtgebiete. Von diesen neu entstandenen Lebensräumen profitieren zahlreiche weitere Tier- und Pflanzenarten.

Seine frühere Verfolgung hatte vor allem wirtschaftliche Gründe: Wegen seines Fleisches und seines dichten Fells wurde er intensiv gejagt. Gleichzeitig gerieten seine Bautätigkeiten zunehmend in Konflikt mit der menschlichen Landnutzung, da durch seine Dämme gelegentlich landwirtschaftliche Flächen oder Siedlungsbereiche überflutet wurden. Dank umfangreicher Schutzmaßnahmen konnte sich der Biber in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich wieder ausbreiten. Seine Rückkehr gilt als bedeutender Erfolg des Naturschutzes.